Donnerstag, 17. Januar 2013

Hauptbuch-Journal der Firma Königshainer Granitwerke Bruno Jenichen GmbH

FundstueckJuli

Ende der 1880er Jahre hatte der Bauunternehmer und Landbesitzer Carl Besser einen Steinbruchbetrieb gegründet, der 1912 von Berthold Königsberger erworben wurde. Königsberger war jüdischer Kaufmann und Steinbruchbesitzer aus Breslau. Nach seiner Enteignung führte zwischen 1938 und 1939 die Basaltwerk und Kunststeinfabrik Bischofsheim v. d. Rhön Victor Hoesch den Betrieb unter dem Namen Königshainer Granitwerke Victor Hoesch Königshain O./L. Am 11.9.1939 schließlich wurden die Steinbrüche mit allem Grundbesitz und allen Maschinen an den Bautzener Steinbruchunternehmer Bruno Jenichen veräußert. Ihm gehörten fortan die Brüche I, II, III und IV. Das Unternehmen trug nun den Namen Königshainer Granitwerke Bruno Jenichen GmbH.

Der 2. Weltkrieg bedeutete eine entscheidende Zäsur in der Geschichte des Granitabbaus in Königshain. Zwar wurde in den Steinbrüchen weiterhin produziert, jedoch war ein großer Teil der Belegschaft im Kriegsdienst. Im letzten Kriegsjahr wurde die Bevölkerung des Dorfes evakuiert, das Kraftstromnetz kam zum Erliegen, die Eisenbahnbrücken wurden gesprengt, die Steinbrüche lagen zum großen Teil brach und begannen sich mit Grund- und Regenwasser zu füllen.

Die 1950er Jahre brachten für die Königshainer Steinbruchunternehmen die Enteignung durch die Regierung der DDR. Die Granitwerke Bruno Jenichen GmbH wurden zur Liquidation gezwungen und am 1.1.1953 in den VEB (K) Granitwerke Arnsdorf überführt. Nach 1945 wurden in den Königshainer Steinbrüchen vordergründig nur noch Groß- und Kleinpflaster, Reihensteine sowie verschiedene Mauersteine gefertigt. Die Produktion lief bis zum Ende der 1960er Jahre. Bis 1975 waren im letzten verbliebenen Steinbruch, dem Firstensteinbruch, nur wenige Arbeiter tätig.

Das Fundstück der Woche ist das Hauptbuch-Journal der Königshainer Granitwerke Bruno Jenichen GmbH und stellt ein wichtiges Zeitdokument für die Unternehmensgeschichte des Granitwerkes dar. Es enthält die Bilanz mit Kontenübersicht für die Jahre 1941 bis 1951 und gibt so Aufschluss über gezahlte Löhne und Gehälter, Warenverkäufe, Rohstoffbestände und Betriebsanlagen. Es ist eine Leihgabe aus Privatbesitz und in der Dauerausstellung des Granitabbaumuseum Königshainer Berge zu sehen.