Dienstag, 17. Dezember 2013

Die Truhe des Grafen von Roon

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Schloss Krobnitz bei Reichenbach hat sich seit dem Abschluss der Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2005 zu einer festen Größe im kulturellen Angebot des Landkreises entwickelt.

Allein im Jahr 2013 besuchten mehr als 11.500 Gäste die angebotenen Ausstellungen und Veranstaltungen. So oft bei vielen Besuchern die Begeisterung über das schöne Ambiente von Schloss und Park zum Ausdruck kommt, so oft wird auch die Frage nach dem Verbleib des einstigen Interieurs des Hauses gestellt. Zumeist macht sich Bedauern breit, wenn dann bei einer Führung vom nahezu vollständigen Verlust der Inneneinrichtung berichtet wird.

Nun kann jedoch zumindest auf ein weiteres Objekt verwiesen werden, dass aus dem Besitz des Kriegs- und Marineministers Albrecht Graf von Roon (1803-1876) stammt und die Stürme der Zeit überdauert hat.

Sein Ur-Ur-Enkel Manfred Graf von Roon übergab kürzlich dem Museum eine Truhe aus Familienbesitz, die sich nachweislich im Eigentum des engen Vertrauten Kaiser Wilhelms I. befand. Allerdings gehörte das Möbel nicht zur Ausstattung von Schloss Krobnitz, sondern stand einst im kleinen Schloss Neuhof bei Coburg in Oberfranken.

Albrecht Graf von Roon war im Jahr 1873 in das Amt des preußischen Ministerpräsidenten berufen worden, das seit Otto von Bismarcks Aufstieg zum Reichskanzler vakant war. Albrecht v. Roon war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits 70 Jahre alt und schwer an einem Lungenleiden erkrankt. So suchte er immer öfter Erholung vom anstrengen Berliner Politikbetrieb und kaufte sich als Sommerfrische noch im gleichen Jahr Schloss Neuhof für 118.800 Taler. Hier im angenehmen Klima mit waldreicher Umgebung konnte der inzwischen Gebeugte neue Kraft schöpfen.

Es wird berichtet, dass er gern ausgedehnte Ausfahrten unternahm, wobei es ihm er vor allem der Blick auf Schloss Callenberg, dem Hauptsitz der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha, angetan hatte. Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg (1818-1893) ließ dann später sogar durch die herzogliche Forstverwaltung einen Roon-Weg von Neuhof nach Callenberg anlegen.

Im November 1873 reichte v. Roon schließlich dem Kaiser aus gesundheitlichen Gründen sein Rücktrittgesuch ein, das er auf Neuhof verfasste. Nur sechs Jahre später verstarb der alte Kriegsminister bei einer Reise in Berlin und wurde in Krobnitz, das er zum Familiensitz auserkoren hatte, beigesetzt.

In seinem Testament hatte er seinen Erben freigestellt, Schloss Neuhof zu verkaufen, allerdings sollte ein Kaufpreis von 150.000 Talern nicht unterschritten werden. Das Mobiliar des Schlosses erhielten ebenfalls seine Nachkommen, die damit nach ihrem Befinden umgehen konnten. Im Jahr 1884 verkauften die Söhne das Anwesen an den Mannheimer Konsul Ferdinand Ladenburg (1835-1899).

Ein Stück der Inneneinrichtung blieb jedoch im Besitz der Familie und wurde über Generationen aufbewahrt und weitergeben. Heute erzählt diese Truhe als einer der wenigen erhaltenen Sachzeugen aus dem bewegten Leben des einstigen Schlossherrn Albrecht Theodor Emil Graf von Roon. Wenn im kommenden Jahr die Dauerausstellung überarbeitet wird, ist diesem wertvollen Möbel ein wichtiger Platz gesichert.