Mittwoch, 26. Februar 2014

Die Geheimnisse der Fächersprache

Fundstück der Woche 7.9.2011

Unaussprechbares sagte in früheren Zeiten der Fächer

„Ich suche Bekanntschaft“ oder „Ich möchte mit Dir sprechen“, aber auch „Ich möchte, dass du mich in Ruhe lässt“ oder „Ich liebe einen anderen“ – Worte, die unausgesprochen dennoch ihren Adressaten erreichten. Heute gänzlich vergessen, gehörte die Fächersprache zur Ausbildung jeder künftigen Dame und fand auf Bällen und anderen Gesellschaften Anwendung. Das Fundstück der Woche aus dem Dorfmuseum Markersdorf ist ein Faltfächer, der um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert angefertigt wurde. Er stammt bereits aus der Endzeit der Fächerbenutzung, in der der Fächer zunehmend zum bloßen Accessoire verkam bis er schließlich ganz aus der Mode verschwand.

Der Fächer hat einen Radius von rund 24 cm. Die breiten, spatelförmigen Deckblätter sind mit Blattrankenmuster und ausgestanzten kleinen Blüten verziert und halten gemeinsam mit den Fächerstäben ein mit dünner, hellgelber Gaze bespanntes Fächerblatt mit einem großen gemalten Blumenmotiv. Das Fächerblatt ist mit einem dünnen Spitzenband eingefasst.

Der Fächer erschien erstmals im 16. Jahrhundert in Italien. Anfangs hatte er noch die starre Form eines Fähnchens, Rades oder Federwedels. Erst im 17. Jahrhundert trat er als der heute bekannte Faltfächer seinen Siegeszug quer durch Europa an. Diese Fächerform war durch portugiesische Seefahrer und Kaufleute aus Asien mit nach Europa gebracht worden.

Die Fertigung eines Fächers verlangte verschiedene Fachleute: Gestell und Blatt mussten gesägt und verziert, die Blattvorder- und rückseiten bemalt und schließlich die Einzelteile montiert werden. Hauptsächlich wurden Fächer in Frankreich hergestellt, aber auch England und Holland waren Produktionsorte, wobei sie stark von Frankreich beeinflusst wurden.

Das Aussehen eines Fächers lässt Rückschlüsse auf seine Besitzerin zu: war sie wohlhabend, eine Witwe, Braut oder Debütantin? Denn neben der Aufgabe des Luft zu Fächelns, kamen einem Fächer auch andere praktische Funktionen zu, wie beispielsweise der Gebrauch als Tanzkarte oder um unbemerkt Nachrichten mit dem anderen Geschlecht auszutauschen.